Zwischen Federn und Peitsche

Aktualisiert: 14. Nov.



Es war eine verrückte Woche: zwischen zwei Extremen des Universums der Erotik.


Gleich zwei Mal erlebte ich «Mein erste Mal»...

Am einen Tag, tauchte ich ein in die Welt der Tantra-Massage als Klientin. Das erste Mal, dass ich von einer professionellen Masseurin empfing.

Unter wohlwollenden Händen, die so sanft und achtsam meinen Körper berührten. Mich in einer warmen Atmosphäre von Körper-Öl und fernöstlichen Klängen in eine Tiefenentspannung wiegten. Jeden Teil meines Körpers wurde Beachtung geschenkt: vom kleinen Zeh bis zum Scheitel. Immer ruhiger Atmend, genoss ich die Haut der Masseurin, die mich liebevoll streichelte. Hier und da eine stärkere Berührung, warmes Öl das meine Haut entlang floss. Ihre Brust auf meinem Gesicht. Ohne Absicht, nur spüren. Ich wäre kaum fähig gewesen, einen Finger zu heben, so gelöst war ich.


Spüren

Die tantrischen Abläufe, wenn auch intuitiv, waren für mich vorhersehbar. Dennoch sog ich jeden Zentimeter den sie einölte, auf. Mit viel Respekt, konnte ich mich fallenlassen.


Obschon ich mehr tiefen Berührungen erwartet hatte, war es eine wunderbare Erfahrung. Ich konnte viel für meine Massagen mitnehmen. Beispielsweise mehr den ganzen Körper zu beachten. Andere Formen der Aufmerksamkeit für die empfangende Person lernen. ZU wissen wie der Geräuschpegel, die Matte oder das Ambiente auf einen als Klienten wirkt…


Ich war sehr gelöst, dankbar und erfüllt. Von Sanftheit, Wohlwollen und Selbstliebe.


Kontrast

Vier Tage später durfte ich das Kontrastprogramm erleben: es stand mein erster Besuch an einer BDSM-Party an.

Dank eines Fotoshootings hatte ich entsprechendes Outfit beisammen und durch die Sexological Bodywork-Ausbildung wenig Hemmungen im Haut zeigen.

Ich hatte wenige Erwartungen an den Abend, war aber umso motivierter…


Bereits beim Einlass in den Club war ich positiv überrascht: die Security in Anzug und Krawatte. Professionelles Auftreten auch im Gespräch. Das Abmiete im Club war ansprechend und dass man sich vor Ort umziehen konnte, war genial.

In Lack und Leder, mit viel Haut und noch mehr Neugier zog es mich in den ersten Floor. Entgegen meiner Erwartungen war die Musik weniger laut und kaum Strobo-Licht. Aber bereits nach en ersten sieben Sekunden wusste ich: da komm ich wieder hin!

Auch wenn ich selbst bisher keine ernsthaften Wünsche nach Dominanz oder Submissivem hatte, so waren bereits die einfallsreichen Kostümierungen einen Besuch wert! Wobei «Kostüm» das falsche Wort ist, da doch die meisten der Besucher die Geisteshaltung des BDSM zumindest an diesem Anlass lebten.


Skurriles war noch und nöcher vorhanden: Menschen die alle Geschlechter vereinten, Frauen an Ketten, Männern mit Playboy-Outfit. Krawatte und Slip, sonst nichts, oder Frauen in silbernen Glitzeroveralls. Stark geschminkte Personen – Männer wie Frauen und anderer Geschlechter. Menschen in «normalen» Negligés, Riesinnen in Plateau-Schuhen, in denen sie nur mit Hilfe ihrer Gesellen Treppen steigen konnten.


Wow

Was mich so faszinierte? Die Authentizität! Es war egal, wenn jemand Speckrollen hatte und diese zeigte. Ob dies zum Outfit passte oder nicht. Keiner guckte schief oder machte einen herabwürdigenden Spruch. Auch die nicht immer elegantesten Bewegungsformen welche die abstrusesten Schuhe mit sich brachten, waren egal. Der Aufwand der Outfits, den Mut und die Kreativität des Einzelnen wurde gewürdigt.

Selbst bei einem Toilettengang, wenn man sich kurz kreuzt, durfte man sich von oben bis unten und wieder nach oben mustern. Anlächeln, Freude haben, nicken und gut.

Keiner grabschte oder starrte unangemessen…


Im Aussenbereich des Lokals wurde eine Bondage-Einlage gezeigt. Hoch konzentriert wurde eine Frau in verschiedenen Posen geschnürt und hochgezogen.


Natürlich gab es auch Momente die noch ungewöhnlicher waren.

Beispielsweise ertappte ich mich dabei, als ich Männer ansah und feststellte, dass nicht wie in einem üblichen Club 80-90% hetero, sind. Hier war es ein Pokern: hetero, homo, beides oder irgendwas dazwischen… Egal, anschauen durfte ich jeden Mann.

«Holla» dachte ich, als zu späterer Stunde zwei fast nackte Frauen ihrem Herrn sein bestes Stück mit viel Freude liebkosten.

Man konnte zusehen, musste aber nicht. Sie waren am Rand der Tanzfläche und keiner wurde zu etwas gezwungen. Ebenso wenig die Frau in künstlerischer Manier entsprechend ihrem Dress, dass nur aus einem geflochtenem Draht ähnlichen «Unterrock» und Nippelkleber bestand tanzend, als ihr ein fremder Mann nach einem kurzen Gespräch mit dem Daumen die Po-Ritze massierte. Ihr Begleiter beobachtete alles von nur eineinhalb Meter entfernt… Oder das Paar, dass sich laut kreischend auf der halbleeren Tanzfläche anmotzte. Doch dies mehr der Show willens als der Ernsthaftigkeit.

Ob es Sex auf der Tanzfläche gab?! Nicht das ich wüsste… Es würde separate Zimmer hierfür geben, doch diese habe ich nicht persönlich recherchiert.


In keinem Moment fühlte ich mich optisch, akustisch oder körperlich belästigt.

Wie ich zuvor in meinem Blogeintrag schrieb, waren alle sehr anständig. Man konnte zusammen quatschen, wurde aber nicht unangebrachtes gefragt (gibt es da etwas unangebrachtes?!). Nie hatte ich Bedenken, dass mir jemand etwas in mein Getränk schüttet oder mich in eine noch dunklere Ecke zieht. Alles war okay, alles war friedlich. Alles war ein Erlebnis für Sinne und Augen.


Ob ich dabei selbst erregt wurde?! Nun, wenn man inmitten so viel nackter Haut und selbst kaum bekleidet zu Musik tanzt, attraktive Menschen sieht und man «alles darf aber nichts muss», anheizende Schwingungen in der Luft liegen, dann ist es für mich klar, dass auch ich sexuelle Energien durch mich fliessen spürte und machte Dinge, die ich in einer normalen Diskothek nie gemacht hatte…



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