Stell dir vor du wärst Confiseur...





Du stehst in der Backstube, mit deinen Händen hälst den Spritzbeutel mit der Pralinenfüllung zwischen den Händen- Du spürst die weiche Masse durch den Plastik des Beutels hindurch. Wenn du Druck gibst, ergiesst sich der Inhalt in die keinen Schokoförmchen, die du achtsam vorbereitet hast. Du siehst, wie sich die Füllung im Bauch der Kugel einfügt und der Geruch von hochwertigen Zutaten steigt dir in die Nase.

Behutsam und Praline für Praline veredelst du die an sich bereits köstliche Schokokugeln und jede einzelne macht dir Freude. Du weisst, sie werden den Menschen, die später die geschlossene Kugel im Mund haben wird, mit Wonne zergehen lassen. Einmal mit den Zähnen aufgebissen, strömt der zarte Geschmack der Füllung, die du eben mit dem Spritzbeutel befüllst, über ihre Geschmacksnerven. Ein Moment der inneren Stille, Fokus auf das Erlebnis zwischen Zunge und Gaumen erlebend, den Geschmack geniessen.


Wenn du seine Fingerkuppen ableckst, bist auch du vom Zauber der Ingerenzen erfüllt. Sie schreien förmlich danach, von dir gekostet zu werden.

Zu Beginn mag dir das verlockend erscheinen, und ja, vielleicht ertappst du dich dabei, am Abend, wenn du selbst Lust auf Süsses hast, dir eine Kugel zu gönnen. Vielleicht machst du es noch zwei, drei Mal. Doch ehe du dich versiehst, bleiben dir die süssen Sünden an deinem Körper anhaften. DU wirst langsam, aber immer ein wenig mehr rundlicher. Bis zu schliesslich selbst fast zu einer Kugel geformt bist. Nun geniesst du die einzelne Praline auf deiner Zunge kaum noch. Sie wurde ein Konsumgut…




Nun stell dir vor, diese Pralinenkugeln sind Menschen unter deinen Händen. Du gleitest mit warmem Öl über ihre Haut. Du verbindest dich energetisch mit ihnen. Nur sie zählen in dieser Zeit. Deine ganze Aufmerksamkeit ist auf ihre Haut, die Berührungen und ihre Empfinden ausgerichtet.

Jeder Einzelne einmalig und kostbar. Viele machen dir Freude, lassen dich beim gleiten über ihre Körper Wunderbares spüren. Lassen in intimen Streicheleinheiten deine Lust aufkommen.


Wenn sie mit Blicken, Worten oder Gesten drum bitten, dass ich sie ganz koste und bis zum Äussersten gehe, so muss ich sie enttäuschen. Es ist nicht immer leicht, denn auch ich verspüre Lust – echte Lust. Es wäre ein leichtes, ihren Körper in den meinen gleiten zu lassen. Doch habe ich ihnen im Vorgespräch klar mitgeteilt, dass dieser Moment kommen wird, wo sie diesen Wunsch hegen. «Nein nein, bei mir nicht!» protestieren sie, und doch, weiss ich fast auf die Sekunde, wann dieser Moment kommt. Es ist Teil der Reise. Teil der sexuellen Lust, Teil des Mensch sein.


Bitte versteh’, dass ich diesen Wunsch nicht erfüllen werde. Es ist meine Aufgabe, dich in sinnliche Entspannung zu geleiten. Ohne Show. Echt. Und da liegt die grosse Hürde: kann der Empfänger in seiner Lust von Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden?!

Es ist mein Part dieser Reise, die Kontrolle zu behalten. Aus Schutz für mein Gegenüber rund zum Schutz von mir.

«Da ist doch nichts dabei. Wir hätten ja nur das gemacht, wo du mich hingeführt hast». «Oh nein, nein… Ich zeige dir das Universum deiner Lust. Ich bin dein Führer auf dieser Reise, nicht aber der Stern auf dem du landest.»


Ich kann verstehen, dass wenn du das erste Mal oder nur selten in der Backstube eines Confiseurs stehst, du nicht begreifen kannst, warum trotz Wasser im Mund, die Confiseurin keine Pralinen nascht. Und doch hat sie viele Gründe für ihr Verhalten.


Versteht bitte, dass auch wenn ich erregt bin oder Lust hätte, dich mehr zu erleben als im Rahmen der vereinbarten Massage, nicht möglich ist. Meine Sexualität ist mein Eigen. Ich entscheide mit wem, wann und wo ich diese auslebe. Du darfst mich erleben – weiter als manch anderer Mensch den du vielleicht erlebt hast. Aber ich setzte auch die Grenzen. Auch wenn wir für diese Zeit verbunden sind, so ist und bleibt jeder ein Individuum und jeder in seiner Welt.


Meine Absage hat keine Kritik an dir als Person, deinen Berührungen oder deiner Attraktivität zu tun. Ich wahre nur meinen Schatz, den ich in meinem Universum lebe und geniesse die Pralinen ohne sie zu kosten.

Sie bleiben umso wertvoller.

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