Ein unmoralisches Angebot: wie Selbs- bestimmt bist du?!





Wie viel bestimmst du über deine Sexualität?! Nicht nur die Grenzen setzen, welches ich in vorigen Blogbeiträgen schrieb, auch wie bestimmt bist du in der eigenen Sexualität mit dir alleine und der mit anderen Menschen?!


Gehst du immer die Autobahn und holst dir nach Schema F auf die immer gleiche Weise dein körperliches Glück herbei, oder bist du selbst bestimmt?!

Okay, wenn du entscheidest ob du dir’s Heute oder Morgen machst, mit der einen oder anderen Hand hast du zwar Entscheidungen getroffen, doch ist die wirkliche freie Autonomie?!


Als ich letztens einen Stammkunden fragte, ob er bereit wäre, einen Gutschein für eine Massage oder ein Coaching zu kaufen, wo ich weiss, dass er das eine mag und das andere bräuchte schrieb er, dass er mich gerne unterstützen mag und Massagen im Voraus kaufen würde. Doch viel lieber wären ihm echter Sex… Was meine Meinung dazu wäre.


Als ich diese Zeilen las, war ich die ersten zwei Sekunden sauer, weil ich auf Sex reduziert wurde. Weitere drei Sekunden war ich sauer, dass meine missliche Lage als Hintertür für körperliche Gefälligkeit genutzt werden wollte. Doch nachdem ich fassungslos auf das Handydisplays gestarrt hatte und meine Emotionen in mir ihre Achterbahn fahren wollten, sagte ich «STOP!».

Bevor ich durchdrehe und meine wertvolle und begrenzte Energie einer digitalen Textnachricht entgegenschleudere und verpuffe, will ich erst gar nicht in diese Spirale hineingeraten. Was kann ich also tun?!


Tief durchatmen, Handy weglegen und in die Ferne starren.

Gefühle annehmen: okay, ich fühle dies und das. Anerkennen: sie sind da. Warum und was ist ihr Ursprung? Es war eine Frage die er gestellt hatte. Nicht mehr und nicht weniger. Wie mein System darauf reagiert war meine Sache. Also hatte ich ein «Marina-wird-wegen-Geld-ausgenutzt-und-gedemütigt» Programm laufen. Woher kommt das?

Nachdem ich die Ursprünge erkannte, hiess es: Gefühle abfliessen lassen. Loslassen. Es sind alte Geschichten die in mir hochkochten. Nicht er. Er hatte ein Bedürfnis mitgeteilt und diese als Frage gestellt. Abgesehen von der Moral, war es nicht mehr. Die Moral machte ich.


De Wahl

Ich hatte nun zwei Wege: wieder sauer sein, oder selbst-bestimmt sein. Also entschied ich mich auf Letzteres, da meine Freundinnen ohnehin «solidarisch mit aufregen», so konnte ich gleich Variante B wählen.

Ich entschied mich, dass ich die Macht hatte!

Wenn ich sie mir wegnehmen lassen wollte, dann hatte ich dies entschieden. Doch für mich war klar, dass ich entschied, ob ich den Deal einging oder nicht.


Mir kam der Blogeintrag in den Sinn, wo ich die Frage stelle «wie hoch ist dein Preis» ?! Wie hoch wäre mir der Preis? Würde ich authentische Sexualität bieten gegen Geld?! War ich sauer, weil er mich das fragte und ich ihn so als Zuhälter/Freier ansah und mir so meine Freiheit entzogen glaubte? Oder war ich sauer, weil es nicht von mir aus freien Stücken als Angebot galt.

Offenbar gab es Unterschiede, ob ich Sex jemanden anbot, oder ob es jemand von mir wollte, ja gar "verlangte". Selbst ohne finanziellen Aspekt: wer Sex mit mir wollte, war langweilig. Wenn ein Mann aber dauernd baggerte, langweilte mich dies. Manchmal fühlte ich mich gar bedrängt.

Dies fiel mir immer mehr auf, als ich mit einem Mann Textnachrichten austauschte, der ganz anders war, als viele Männer die mich anschrieben. Er hatte nie nach einem Nacktbild gefragt (siehe Blogeintrag Exhibitionist). Auch hatte er kein einziges Mal anrüchige Nachrichten gesendet. Zu Beginn war das für mich seltsam, da ich es gewohnt war, dass mindestens doppeldeutige SMS, oder Anspielungen auf meinen Beruf, Themen in den Nachrichten waren.

Ich stellte fest, dass dieser Mann, der mich eben nicht vorhersehbar anbaggerte oder seinen Spass daran hatte, mir zu schreiben, dass er sich’s heute Morgen selbst gemacht hatte, mich irritierte. Dass ich dieses Verhalten nicht mehr kannte. Oft fragte ich mich, ob er unsere «Beziehung» rein platonisch und sehr respektvoll lebte, was mich freute - oder ob es Desinteresse an mir war.

Es war für mich fast so wie als ich in einem Kleiderladen von einer Verkäuferin gefragt wurde, ob sie mir eine anderes Kleidungsstück bringen solle, oder ob alles passend wäre?! ich stand vor dem Spiegel und war baff. Ich kannte Anstand und Zuvorkommend-sein offenbar nicht mehr in allen Lebensbereichen.

In meiner Kindheit war das gang und gäbe, dass die Verkäuferin dich halbnackt in der Umkleide von aussen her unterstützte, indem sie durch den Laden flitzte um dir die passende Grösse zu holen. Heute ist in den Ladenketten gar ein Luxus, wenn die Kassiererin dich ansieht, während sie das Geld entgegen nimmt.

Es war ungewohnt und doch irgendwie bekannt... Ebenso mit diesem anderen Mann: Er war anders. Respektvoll, zurückhaltend und nicht Sensations-geil. So fragte ich öfters, ob ich ihn bedrängte.

Es war angenehm, aber so ungewohnt, dass ich mich oft im Nebel wiederfand, wo ich nicht wusste, ob ich richtig lief, oder nicht. Ich hatte die Orientierungshilfe der "modernen" Männer nicht als Leitplanke. Keine Anspielungen innert absehbarer Zeit. Und ich lernte dies wieder zu schätzen, plan-, ziel- und erwartungslos mit jemandem zu kommunizieren und sich dennoch auf geistiger Ebene verbunden zu fühlen. Ohne Druck, einfach aus Freude.



Selbstreflexion

Erneut atmete ich auf der Parkbank durch und wurde mir immer sicherer: ich hatte die Macht. Er fragte nur nach ihr. «Ich bin Königin über mein Leben!», und so bedankte ich mich für seinen Mut, sich so offen mir gegenüber zu zeigen; lehnte aber ab.



Am Abend im Bett überlegte ich: wie selbst bestimmt bin ich im Leben, in der Familie, im Beruf und in meiner Sexualität?! Jemandem «nein» zu sagen, ist das eine. Doch wie selbst-bestimmt war ich mir gegenüber? Beispielsweise bei der Ernährung?! Naja, die war momentan mehr als monoton. Da war ich also selbst bestimmt-fremdbestimmt durch Ausreden, Zeitmangen und vor allem der Zucker- und schnelle Kohlenhydrate-Industrie. Ich liess mich locken und hatte zurzeit nicht die Energie mich von der destruktiven Ernährung loszusagen.

Wie war aber meine Selbst-Bestimmtheit in der Sexualität?! In Paar-Sex war es ein Wechselspiel. Doch wie war ich alleine? Nutzte ich immer die Autobahn, die Abkürzung um schnellstmöglich an einen Höhepunkt zu gelangen? Genoss ich die Reise, oder war es nur Druckabbau?!


Zuerst glaubte ich die Antwort rasch gefunden zu haben, doch merke ich dann, dass es vielschichtiger war. Selbst die einfache Frage, ob man sich selbst geniesst, war offenbar komplex.


Wie sieht es bei dir, lieber Leser aus? Wie erlebst du deine Sexualität? Alleine oder mit jemand anderem? Hast du deine Macht oder gar über jemand anderen? Bist du unbewusst in der Gewohnheits-Autobahn? Geniesst du, oder ist es Druckabbau? Hast du resigniert und lebst weder partnerschaftliche Erotik noch mit dir alleine aus?

Wie siehst du dich selbst=? Magst du deinen Körper und deine Reaktionen in der Erregung? Hättest du als Gegenüber gerne Sex mit dir?


Mach dir doch einen Moment Gedanken darüber. Wenn du grossartige Erkenntnisse hast, teil sie mir auf Instagram mit: marinadeluca_erotikcoach.


Ich danke dir fürs lesen und dafür, dass du anderen und dir selbst die Macht nicht entwendest.

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