(B)analitäten – weil es andere auch machen

Aktualisiert: 14. Nov.

Das Prinzip der sozialen Bewährtheit übertragen auf das sexuelle Verhalten der Spezies Mensch.




Vor einigen Jahren fiel mir auf, dass Männer mich vor oder während des Sex warnten «wenn du mir ungefragt deinen Finger in den Arsch stösst, dann bin ich weg…!» Ich war verwirrt. Weder hatte ich dies vor noch hätte ich ungefragt diese sexuelle Ahndung gemacht, da ich wusste, wie unangenehm oder gar schmerzhaft diese Praktik ungefragt und unvorbereitet (!) sein kann.

Auf meine Frage, woher sie denn glaubten, dass ich das tun würde, kam überraschen oft die Antwort «habe ich erlebt», «ist ein Trend bei jüngeren Frauen», «machen die neuerdings so».

Also hackte ich genauer nach, mit dem Ergebnis, dass seit einigen Monaten Frauen den männlichen Sexualpartnern einen Finger zur Luststeigerung in den Anus schoben. Leider hatten sie zuvor nicht gefragt und wohl ausgeblendet dass es a) schmerzhaft ist, b) nicht jeder mag und c) viele Männer Homophob sind (Angst haben, sexuelle Praktiken im Po machen sie Homosexuell).


Dass einige Frauen dies vielleicht taten, weil es die Männer auch oft tun, weil sie es in Pornos gesehen hatten und diese animalisch anmutende, ja «verbotene» Handlung den sexuellen Reiz steigert, kann ich verstehen. Denn es ist schlichtweg Scheisse, wenn bei jedem zweiten Mal Sex man(n) den Finger in die hintere Körperöffnung stossen will. Auch wenn Frau dies Mal mag, so muss Analsex gut, ja sehr gut vorbereitet sein!


Nun zurück zum Thema. Ich fragte mich, woher dieser «Trend» kommt und erhielt als Ergebnis, wenn ich Frauen darauf ansprach, «dass man das eben so macht». Wie sie a) einem (unvorbereitetem) Menschen guten Anus-Sex anbietet und ausführt und b) sie kein Bewusstsein hatten, dass dies Grenzüberschreitungen waren und somit diese Praktik in sexuelle Gewalt übergehen konnte.



Was mich interessierte war, warum es den plötzlich alle machten, ohne dass sie es teils selber machen wollten.

Frauen hatten selbst gar keinen sexuellen Anreiz dem Mann einen Finger im Enddarm zu platzieren. Sie machten es nur, weil es andere angeblich auch so machten!

Woher kommt das?!


Das Prinzip der sozialen Bewährtheit

Laut einer Studie bereiten mehr Eltern in den USA der Familie Fastfood zu, umso häufiger sie dies in Werbesport gesehen haben (Gesetz der Anziehung). Umso mehr die TV-Spots und Plakatwerbung von Modellen die im «wie du und ich»-Look in alltäglicher Familienmanier billiges Essen genüsslich verzehrten, servierten die Konsumentend er Werbung ebenso umso häufiger dies Nahrung, da der Glaube, dass «Man es eben so macht» mehr und mehr in das Gedankengut der amerikanischen Gesellschaft rückte.

Nicht die Einstellung der Eltern zu krossen Chicken Nuggets und Fliessband-Burger hatte sich verändert, sondern die soziale Bewährtheit. Das Marketing brachte die Menschen dazu, das Konsumieren von Fastfood als etwas Normales und alltäglich Bewährtes zu betrachten («Wenn es viele andere machen, wird es schon stimmen»).



(Grier et L., 2007 gefunden im Buch «Psychologie des Überzeigens von Robert B. Caldini 2. Nachdruck 2021, Ste. 171)


Nun wissen wir, dass Werbung und Filme sowie Gaming unser Gedankengut bis ins Unterbewusstsein verändert (siehe steigende Gewaltbereitschaft der Kinder nach häufigem gewalttätigem TV- und Gaming-Konsum. Die Emotionen während des Schauens und Spielens leiten die «erlebten» Bilder direkt ins Körpersystem und durch den Schutzmechanismus werden die Persönchen Gefühle abgestumpft).


(B)analitäten

Nun taten sich mir folgende Gedanken auf: Frauen konsumierten zwar auch Pornofilme mitunter Analsex, doch war hier der Trend bestimmt nicht von den Filmen zur sexuellen Stimulation der Grund der plötzlichen Anhäufung der analen Fingerspiele an Männer Pos.

Nach meinen Recherchen griff hier das Prinzip der sozialen Bewährtheit, hier auf Umwegen. Seit einiger Zeit wurde Analsex in Pornofilmen als Verkaufsschlager gehipt. Dass das visuelle Konsumieren von Sex ins Poloch direkt in einen uralten Teil des Hirns geht, ist im Menschen angelegt – meist jedoch bei Männern. Zum einen, weil Frauen beim Sex schlichtweg seltener einen Anus der Penetriert vor sich präsentiert sehen. Zum anderen, weil viele Frauen schlechte Erfahrung mit Anussex hatten. Leider wird bei der Jugendaufklärung dieses Thema zu sehr verschwiegen und somit wissen auch nur die Minderheit der Männer, dass es viel (sehr viel!) Gleitcreme und gute Vorbereitung für Analsex benötigt.

Dass hier nur die äussere Muskulatur willentlich gesteuert werden kann, nicht aber die Inneren. Somit können auch nicht mit gutem Zureden des Mannes auf die Frau ihre inneren Arschmuskeln zur Lockerung verbal angeheizt werden. Sind diese aber angespannt, was bei dieser Muskelgruppe der Normalzustand ist, da er Kot zurückbehalten will und Innereien schützen muss.

So kann das leichte Eindringen des Penis nicht wie in Pornos a la «hoppala, bin auf dich draufgefallen und eingedrungen» vollbracht werden.

Erotikschauspielerinnen haben diesen meist zuvor (unliebsam) mit Plaques gedehnt und sind wegen der häufigen analen Praktiken im Extremstil «ausgeleiert» und inkontinent.


Doch da Männer gerne und teils oft Pornofilme schauen, sehen sie immer häufiger, dass Analsex die «Normalität» sein. Es wurde ihnen so verkauft. Ergo wünschen oder verlangen sie dies vermehrt von ihren Sexpartnerinnen. Oder hat jemand gehört, dass in den 1940er Jahren Analsex zum Grundrepertoire einer beflissenen Frau rund um Herd und Heim, gehörte?!


«Ich habe es oft gesehen von anderen die das auch machen. Also muss es normal und gut sein.»
Ob dies auch für sexuelle Handlungen zutrifft, steht auf einem anderen Blatt.


Ebenso bei oralen Vergnügungen. Wie viele junge Frauen, die Sex eben erst entdeckt haben, lassen sich von der sozialen Bewährtheit überstimmen, entgegen ihrer Abneigung einen grossen, sensibles Körperteil eines anderen Menschen möglichst tief und genussvoll in den Mund zu nehmen und trotz Kiefersperre dem Träger des Glieds Freude zu bereiten – weil es ihre Freundinnen oder Expartnerinnen des Partners eben auch machten.

Genauso bei Männern: auch sie übertölpeln oft ihre eigenen Grenzen und Wünsche aufgrund Manipulation von aussen. Nicht jeder Mann steht auf schnelle oder harte Stösse. Nicht jeder will partout Maskulin als heroischer Liebhaber die Frau durch de Wohnung stossen. Aber man(n) macht es ebenso.


Kritisch

Überdenken wir Mal unser Tun: was machen wir in der Erotik, weil es uns von anderen so vorgemacht wurde?! Zum einen sind die Vormacher selbst auch Amateure, weil sie es selbst von anderen Improviseuren abgekupfert haben. Zum anderen sind die «Anderen» Vollprofis mit Profithintegrund (Pornodarsteller und Werbeindustrie).


Warum haben wir den Sex, den wir haben?! Wollen wir den so überhaupt? Macht er uns Spass? Und wenn ja: warum?! Weil wir so programmiert wurden und unsere eigenen Grenzen (unwissentlich) so oft übergangen haben, dass wir mit der Geilheit den Schaden nur überdecken (Stichwort CET «Core Erotic Theme)?!


Auch wenn die soziale Bewährtheit nicht direkt die grösste Gefahr ist. So trägt sie jedoch ein grösseres Schadenpotenzial in unserer geistigen und psychischen, sexuellen Gesundheit, als man vermutet. Auf dieses Thema der perfiden Taktiken des Menschens, sich selbst mit sexuellen Aktionen vor alten Wunden zu schützen, gehe ich in einem späteren Blogeintrag ein.

Es sei dem Leser dieser Zeilen jedoch bewusst: nur weil man etwas vordergründig) «heiss» findet und man es eben so macht, heisst es nicht, dass es für sich, oder die andere Person langfristig als erfüllend oder gesund sein muss. Im Gegenteil. Fühlt genau hin - ohne die Geilheit. Mit Verstand und einem analytischen Blick.

Wer dies nicht vermag, sein grösster Geilmacher in der Fantasie oder von echten Erlebnissen kritisch zu hinterfragen, dem sei eine Session bei einem Sexological Bodyworker empfohlen.


Ich selbst glaubte, ich sei heil. Das Gelaber von negativen Erlebnissen im sexuellen Kontext liess mir mehr die Augen rollen, als Mitgefühl erleben.

Ich glaubte, es sei höchstens aus Geltungssucht oder über Dramatisierung.

Jedoch sah ich auch, dass mein Klientel die Negatives beim Sex erlebt hatten, gestandene und Menschen waren, die eben nicht von sich aus darüber sprechen wollte. Die ihr Erlebtes gar negierten.

Erst mit der «Taschenlampe» eines Fachmanns sah ich, dass ich so vieles Verdrängt hatte, was mich bis in die Grundmauern erschüttert hatte. Dies gilt es aufzulösen um künftig wahrhaftigen Sex zu erleben, der auf eine gesunde Seele beruht.

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